Zur Geschichte
Der Metallblasinstrumentenmacher Jürgen Voigt hat seinen Sitz in der wohl geschichtsträchtigsten Ecke Deutschlands. Zumindest, wenn es um den Instrumentenbau geht. Jürgen Voigt produziert seine Instrumente in Markneukirchen im Vogtland. Wer hierbei an vergangene DDR Zeiten denkt, liegt nur bedingt richtig. Denn in Markneukirchen blickt man auf eine über 250-jährige Instrumentenbau Tradition zurück. Allein in und um Markneukirchen sind 126 (!)) Instrumentenmacher angesiedelt. Jürgen Voigt lernte in den sechziger Jahren sein Handwerk bei seinem Onkel Hans Voigt, nachdem er die Militärzeit als Posaunist verbracht hatte. Nach der Ausbildung bei seinem Onkel arbeitete er zwanzig Jahre bei der Firma B&S bevor er sich dann 1988 selbständig machte. Was lag da näher, als sich erst einmal überwiegend dem Bau deutscher Konzertposaune zu widmen. Diese sind zwar die Favotiten der Meisterwerkstatt Jürgen Voigt, doch werden in seinem Hause u.a. auch Konzerttrompeten, Barockinstrumente sowie Schalmeien gebaut. Mit der Tenorquartposaune "Standard Student Master", hat sich die voigtsche Instrumentenschmiede auch für den Bau einer "deutsch-amerikanischen"-Version entschieden.
Das Instrument
Die genaue Modellbezeichnung ist SI und steht für "Standard Student Master". Die 1 bezieht sich auf eine Modellreihe aus dem Schüler- bzw. Studentenbereich. Eine weitere Modellreihe, die S2 hingegen, ist mehr für den professionellen Anspruch konzipiert. Die "Student Master" ist in ihrer Art konkurrenzlos, besticht sie doch nicht nur durch ihr formschönes Äußere, sondern vor allem natürlich durch ihren speziellen Klang, der einem sofort ins "Ohr springt", wenn man die ersten Töne auf diesem Instrument bläst. Was macht diese Posaune so anders als herkömmliche Bb/F Posaunen?
Einzelheiten
Im speziellen ist es natürlich die Bauweise, die für die Kategorie einer solchen Posaune Maßstäbe setzt. Das Klangergebnis verhält sich demnach meistens äquivalent zur Größe des Instruments. Der Schallbecher entspricht mit 220 mm den Maßen, die wir von Posaunen deutscher Machart gewohnt sind und ist bei unserem Testmodell, ebenso wie die Stimmzüge, aus Goldmessing. Auffallend ist hierbei nicht nur der stark konische Verlauf des Hauptstimmzuges, sondern auch die ungewöhlich dünnen und dabei elegant wirkenden Querstreben an beiden Stimmzügen. Abgerundet mit einer Neusilbergarnitur besticht das Quartventil durch die Schnurmechanik mit seinen geschwungenen Rohren, die ebenfalls aus Goldmessing sind. Es erinnert hierbei etwas an das Design französischer Hersteller. Die Feststellmutter der Stütze zum Posaunenzug ist aus einem längeren Stück Metall gefertigt und geht optisch fast nahtlos in den Quartventil- bzw. Zugbereich über. Eine praktisch wie optisch sehr gute Lösung.
Der Zug hat einen Luftdurchlass von 13,1 mm und ist aus Neusilber mit einem Goldmessing Zugbogen gefertigt. Ins Auge springt die zur Stürze gebogene Querstrebe (Haltestrebe), wie man sie standarmäßig überwiegend von King Posaunen kennt.
Spielbarkeit, Klangeigenschaften und Qualität
Das Gewicht dieser Posaune ist trotz der Größe relativ gering und sie liegt gut in der Hand. Lediglich der Quartventilbereich ist vielleicht für etwas größere Hände zu eng gebaut. Die Betätigung verhält sich hierbei allerdings angenehm weich, macht wenig Geräusche und geht einen kurzen Weg. Das Spielgefühl ist trotz des kleinen Ventils recht frei und spricht, wie die Posaune im Ganzen, sehr gut an. Oberhaupt muss ich feststellen, dass die Ansprache neben dem Klang einer der herausragenden Punkte bei diesem Instrument darstellt. Gerade bei einer solchen Bauweise und für diesen Zweck ist die Ansprache ein nicht zu unterschätzender Faktor. Butterweich auch der bei unserem Testmodell hörbare Ton, der, bedingt durch eine konsequente Goldmessingverarbeitung in jeder Lage sehr warm und weich anzuspielen war. Vom Charakter eher einer deutschen Bauweise zuzuordnen, fehlt dieser Posaune vielleicht etwas die Ausgewogenheit im Klang. Bedenkt man jedoch den Zweck der SI, so muss einem klar werden, dass gerade dieses Instrument bewusst als Gegenstück zu herkömmlichen Quartventilposaunen gesehen werden kann.
Die Verarbeitung ist sehr gut. Man kann im übertragenen Sinne ohne Scheu von "deutscher Wertarbeit" sprechen. Lediglich der Posaunenzug hatte, trotz der Verwendungn verschiedener Schmiermittel, bei unserem Testmodell leichte "Laufschwierigkeiten". Erfahrungsgemäß gibt sich dies aber nach einer "Einspielphase" von einigen Monaten. Bleibt noch zu erwähnen das die Inntonation gut war und der Umstand, dass dieses Instrument und alle seine Teile tatsächlich noch von Hand gefertigt werden, nicht hoch genug bewertet werden kann.
Fazit
Ein Instrument dieser Machart sucht man in dieser Kategorie von Posaune vergebens. Bei einem Preis von knapp über 1.235,-EUR für die Messingausführung, sollte man sich den Kauf einer Posaune von der Stange gut überlegen. Wer nicht viel Geld ausgeben und trotzdem ein sehr gutes Instrument für den symphonischen Bereich spielen möchte, dem kann ich die SI aus dem Hause Jürgen Voigt ans Herz legen. |