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Das war früher ganz anders. Mitte des 17. Jahrhunderts begann mit der Ansiedlung protestantischer Geigenmacher aus Böhmen der wirtschaftliche Aufschwung in Markneukirchen. Der Ort mauserte sich zum Zentrum des deutschen Orchesterinstrumentenbaus. Anfang der Dreißigerjahre erlebte der Musikwinkel seine höchste Blüte.

"Die USA unterhielten ein eigenes Konsulatsbüro, um die komplette Jahresproduktion an Geigen und Metallblasinstrumenten aufzukaufen," sagt Jürgen Voigt (56), Chef der gleichnamigen Meisterwerkstatt für Metallblasinstrumente. Diese goldenen Zeiten sind vorbei. Geblieben sind 126 Betriebe in der Region, die sich in einem immer stärker um- kämpften Markt behaupten müssen. Schließlich werden zurzeit nicht nur Millitär- und Polizeiorchester reihenweise aufgelöst.

Dennoch will man an Traditionen festhalten. "Wir haben Kunden in der ganzen Welt", sagt Voigt, der mit 15 Mitarbeitern und zwei Lehrlingen für Laien und Profis Posaunen, Trompeten und Hörner baut. Dabei handelt es sich um individuell gefertigte Stücke, die nach eingehendem Kundengespräch quasi direkt auf die Musikerlippen geschneidert werden. 3000 bis 4000 Euro kostet ein solches Instrument.

Wertvolle Materialien wie Messing, Silber und Gold sowie 30 bis 100 Stunden Handarbeit machen die Instrumente so teuer. Und natürlich das Know-how. Jürgen Voigt: "Wir können dünnwandige Bleche so schweißen, dass die Naht nicht zu sehen ist. Das schaffen nur wenige Spezialisten weltweit."

Um auch in Zukunft hochwertige Instrumente verkaufen zu können, bildet Voigt Instrumentenbauer für den Eigenbedarf aus. Doch guten Nachwuchs zu bekommen, wird immer schwieriger. "Die Qualifikation der Bewerber lässt zu wünschen übrig", sagt Voigt, der nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch Mathematik-Kenntnisse verlangt. Denn für den Instrumentenbauer ist Musik letztlich reine Physik. "Wie ein Instrument klingt, hängt vom Material sowie Durchmessern und Krümmungswinkeln des Rohrs ab. Das muss alles berechnet werden", sagt Voigt.

Das gilt auch für die Exoten aus der Werkstatt, die so gar nicht romantisch im Gewerbegebiet am Rande der Stadt untergebracht ist. Da gibt's ein Hupaphon für Musik-Clowns, Russische Hörner für Musiker aus dem Erzgebirge und die Carnyx, eine Nachbildung eines Blasinstruments aus der Zeit der Kelten. Oder die Schalmei, die in Gershwins Musical "Ein Amerikaner in Paris" erklingt. hü
 
     
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